Letzte Änderung: 06.05.2014
Archivgeschichte
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Stadtratsprotokoll, 1770

 

Die älteste Nachricht über das Bestehen eines städtischen Archivs in Neumarkt stammt aus dem Jahr 1595. Es werden Aischtruhen (Aisch = Entscheidung) für Kriminalsachen, Missivladen, Laden der expedierten bürgerlichen Sachen, Ratschlägladen genannt.

 

Für das Jahr 1657 wird berichtet, daß der Schreiner Hans Haußner ein Brettergestell (Länge 21 Schuh, Höhe 4 Schuh, 24 Fächer) anfertigte, zudem der Schlosser Hans Ludwig zwei Schließeisen zur Ratsregistratur

lieferte.


Bemerkenswert ist die Übereinstimmung dieser Arbeiten mit dem Beginn der Rechnungsbuchreihen verschiedener Ämter (Kämmerei ab 1657, Bauamt ab 1656, Armenstube ab 1658, Kastenamt 1665). Nach Karl Ried hatte das Archiv seinen Platz im Rathaus. 


Auf Veranlassung des Landrichters Johann Friedrich Gustav Wülfert überließ der Stadtmagistrat 1838 unter Eigentumsvorbehalt etwa 60 Nummern alte städtische Freibriefe und Privilegien dem Reichsarchiv in München zur Aufbewahrung. Dadurch entgingen sie wohl der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.


Eine vom Reichsarchiv angemahnte Neuordnung des städtischen Archivs unterblieb, da keine Mittel dafür vorhanden waren.

Am 13. März 1838 regte der Landrichter an, die im Archivgewölbe verstreut liegenden älteren Urkunden und Papiere zu ordnen, damit nichts verloren-ginge. Im folgenden Jahr wurde der Oberschreiber Holzschuher eingesetzt,

das Archiv zu ordnen, er konnte aber nicht entlohnt werden.


Im August beauftragte man damit die Stadträte Merl und Schwindl, doch scheint nicht viel geschehen zu sein, denn am 30. März 1843 berichtete Bürgermeister Mois an das Bezirksamt, daß er eine Ordnung des Archivs dringend nötig erachte. Es sei überfüllt und der ganze Fußboden mit Schriftstücken bedeckt. Doch weder eine bessere Unterbringung noch eine Ordnung kam zustande. Der Magistrat beschloß im April 1869, von den älteren Urkunden Abschriften anfertigen zu lassen.


Für Aufregung sorgte im Jahr 1907 das Angebot einer Frau Braun aus Nürnberg, die der Stadt aus Neumarkt stammende Archivalien um 500 Mark zum Kauf anbot. Da diese vom Kreisarchiv in Amberg auf 200 Mark geschätzt wurden, bot der Rat zunächst nur soviel. 1909 einigte man sich schließlich auf 300 Mark und erwarb die Dokumente. Nach diesem Rückkauf erschien ein Zeitungsartikel, in dem die Behauptung aufgestellt wurde, Neumarkt habe einst über 1000 Pergamenturkunden und wertvolle Codices bis ins 14. Jahrhundert zurück besessen. Auf diesen Bericht hin folgte am 27. November 1910 ein Artikel des gebürtigen Neumarkters Xaver König, ein Goldschläger, bei dem er früher gewohnt habe, hätte Neumarkter Archivalien in seinen Besitz gebracht, die Siegel an das Germanische Nationalmuseum und die Pergamentblätter an andere Goldschläger verkauft.

 

Bürgermeister Weißenfeld ging der Sache nach und mußte feststellen, daß 1895 der Stadtschreiber Schmidt nach nur oberflächlicher Sichtung zwei Möbelwagen voll älterer Archivalien zum Einstampfen verkauft hatte. Das Repertorium des "Neumarckischen" Stadtarchivs von 1681 zeigt deutlich, wie groß der Verlust an Archivalien gewesen war.

Um den 20. April 1945 wurde die Stadt bei der Eroberung durch amerikanische Truppen in Brand geschossen. Über 90 Prozent der Innenstadt gingen zugrunde, das Rathaus brannte wie hunderte anderer Häuser bis auf die Grundmauern nieder. Eine erste Bilanz zu den erhaltenen Dokumenten der Neumarkter Stadtgeschichte sah äußerst düster aus.

 

Am 1. Juni 1946 teilte Oberbürgermeister Theo Betz dem Staatsarchiv Amberg mit, "... daß die Registratur der Stadtverwaltung Neumarkt Opf. sowie die sich im Verwahr der Stadtverwaltung befindlichen Archive den Kriegsereignissen restlos zum Opfer gefallen sind". Dies war glücklicherweise nicht zutreffend.

 

Die Verluste betrafen hauptsächlich die Registratur, weniger die Altbestände. So endet die archivalische Überlieferung im Wesentlichen 1918/19 und setzt, von wenigen spärlichen Ausnahmen abgesehen  (z.B. den Ratsprotokollen von 1933 ? 35) erst wieder in der Nachkriegszeit ein.

Bei der Gebietsreform 1972 gewann die Stadt insgesamt neun Gemeinden hinzu, deren Archivbestände jedoch bei der Übernahme ein recht unterschiedliches Schicksal erlitten. So reicht der Umfang der übernommenen und erhaltenen Gemeindearchive von etwa zehn Zentimetern bis zu mehreren Regalmetern. Dieser Bestand ist noch unverzeichnet, ebenso alle Dokumente nach 1945.


Im Jahre 1985/86 wurde das Archiv von Peter Soy neu geordnet und ver-zeichnet. 1996 zog das Archiv aus dem Rathaus in Räume im Dachgeschoß der neu renovierten Grundschule in der Bräugasse.

Als Nachfolgerin des Archivleiters und Vorsitzenden des Historischen Vereins Neumarkt und Umgebung e.V. Hans Meier wurde die Leiterin des Stadtmuseums, Frau Petra Wurst, als kommissarische Leiterin des Stadtarchivs eingestellt.

Mitte Oktober 2000 trat der erste hauptamtliche Stadtarchivar seinen Dienst an. Neben der Zeitungschronik, der Erfassung und Ergänzung der Bildbestände, der tiefergehenden Erschließung der Stadtratsprotokolle wird die Verzeichnung und Nutzbarmachung der Gemeindearchive und der Bestände nach 1945 ein Schwerpunkt der Tätigkeit in den kommenden Jahren sein.

 
 
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